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Geschichte und Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehr Langen

Geschichte

Schon seit Jahrtausenden bekämpfen die Menschen das Feuer mit Decken und Tierfellen. Im Jahre 1828 v. Chr. besaß man schon einige Wassersäcke, mit denen man kleine Flammen ausspritzen konnte. Man fand sie später als eine Art Handfeuerlöscher in Rom wieder, und noch heute bekämpfen die arabischen Beduinen ausbrechende Zeltbrände damit.

Kaiser Augustus löste im Jahre 31 v. – 41 n. Chr. die Pflichtfeuerwehr in Rom auf, und führte aus Soldaten bestehend eine Wachfeuerwehr (Berufsfeuerwehr) ein. Augustus teilte sie in sieben Kohorten (Einheiten) ein. Jede Kohorte setzte sich aus Spritzenmeistern, Hornisten und Wassertruppen zusammen, die aus tausend Mann bestanden. Die Ausrüstung der Wachfeuerwehr bestand aus Decken, Schwämmen, Löschbesen, Wassersprühern, Stangen, Wassersäcken und Brandplanen. Bei Ausbruch eines Brandes wurden die Brandplanen über die mit Funkenflug betroffenen Gebäude gezogen und mit Wasser bespritzt. Aber die Kohorten blieben nicht lange bestehen, da die Soldaten für Kriege bevorzugt eingesetzt wurden. 1795 fand man in Italien eine Kolbenpumpe, die ein Herr Ktesibus im Jahre 250 v. Chr. erbaute. 120 v. Chr. verbesserte ein Herr Heron diese Pumpe und erfand damit den sogenannten Heronball (Windkessel) – „es war eine Vorrichtung zum Hochtreiben einer Wassersäule durch Verdichtung der oberhalb des Wasserspiegels eingeschlossene Luft“. Mit dieser Kolbenpumpe konnte man nun einen ununterbrochenen Wasserstrahl auf das Feuer spritzen, dass das umständliche Befördern des Löschwassers in Ledereimern aus Brunnen zur Brandstelle, ablöste.
Eine sonderbare Spritze erfand der Mathematikprofessor Besson im Jahre 1518, und ein Herr Hans Hautsch stellte die erste Handdruckspritze her, die einen Wasserstrahl von 20 Metern warf. In dieser Zeit gab es also schon Einmannpumpspritzen, die unserer heutigen Kübelspritze sehr ähnlich sind. Der Holländer van der Hayde nähte aus Segeltuch die ersten Schläuche zusammen, die dann später auch aus Leder bestanden. Van der Hayde nannte diese Schläuche „Lederschlangen“, die es jetzt ermöglichten, auch das Feuer mit einem Innenangriff zu bekämpfen. Die erste Dampfkraftspritze wurde im Jahre 1829 erfunden, die aber noch keine Stadt anschaffte – was sich dann aber bitter rächte.
In Hamburg brach ein Großbrand aus und vernichtete zwei Drittel der Stadt. Erst nach einem halben Jahr konnte man die Spritzen zurückziehen. Obwohl nicht weniger als 80 Spritzen im Einsatz waren, ist man machtlos gewesen, weil man nicht nahe genug an das Feuer heran kam. Auf Grund dessen sagte der damalige Spritzenmeister von Hamburg, „dass die Löschkorps technisch veraltet seien und es ohne die Dampfspritzen nicht mehr gehe“.
Der Brand von Hamburg hatte einen heilsamen Schock ausgelöst, denn viele Städte schafften sich nun Dampfspritzen an, und seit Mitte des 20. Jahrhunderts besitzt man sogar schon Motorkraftspritzen mit einer Wasserleistung von 1600 Litern in der Minute.

Gründung der ersten „ Freiwilligen Feuerwehr „ in Deutschland

Vor dem Brand in Hamburg hatte es nur Pflichtfeuerwehren gegeben. Nur die Stadt Bremen hatte einen Freiwilligen Lösch- und Rettungskorps. Im Jahre 1846 gründete Christoph Hengst in Durlach bei Karlsruhe die erste Freiwillige Feuerwehr in Deutschland, die aus 50 Turnern/Mann bestand. Schon 1847 bewährte sich die Freiwillige Feuerwehr, als das Karlsruher Schlosstheater in Flammen aufging. Es bestand höchste Gefahr für die Stadt. Aber die schnell heranrückende Durlacher Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern. Diese Nachricht verbreitete sich in Deutschland und andere Städte folgten diesem Beispiel.

Langen vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr

Die Häuser in Alt–Langen standen oft weit auseinander, aber trotzdem war die Feuergefahr sehr groß. Die Dächer waren aus Stroh, viele Häuser noch aus Holz, und alle Einwohner des Dorfes mussten bei Ausbruch eines Feuers helfen. Im Jahre 1658 kaufte die Gemeinde 25 lederne Eimer, die im Rathaus bereitgehalten wurden. Jeder neue Langener Bürger musste einen ledernen Eimer kaufen, und im Gegenzug bekam er von
der Gemeinde einen Festmeter Holz geschenkt. Ein Langener Wagner baute 1662 drei Leitern, die bis 1665 an der Zentscheuer (Frankfurter Schule) hingen. 1666 erbaute die Gemeinde auf dem Gelände des Kirchhofs ein Leiterhaus, und auch zwei weitere Leitern wurden angeschafft.
Um 1700 bestimmte das Ort acht Feuerläufer, die sich bei Ausbruch eines Brandes auf dem Rathaus melden mussten, um die Anweisungen des Hauptmannes auszuführen. 1713 wurden fünf kleine Feuerspritzen angeschafft, und 1809 ersteigerte der Ort vom Großherzoglichen Baumagazin in Darmstadt seine erste große Feuerspritze, die mit Pferden gezogen wurde. Dazu wurden zwei Fuhrleute bestimmt, und Valentin Küster zum ersten Spritzenmeister ernannt. Greifbare Ortsansässige wurden verpflichtet dass sie bei Alarm sofort zur Stelle sind. Ein Spritzenhaus war in den Stallungen des alten Rathauses eingerichtet, das allerdings 1842 abbrannte. 1818 bekam Langen eine, aus 27 Paragraphen bestehende Löschordnung.

Der § 1 lautete:
„Bei einem Brande innerhalb der Gemarkung haben die Polizeidiener, die Nachtwächter, das Feld- und Forstschutzpersonal alsbald den Großherzoglichen Bürgermeister, den Oberkommandeur der Feuerwehr, den Signalisten der letzteren und den Glöckner davon in Kenntnis zu setzen, worauf die Signalisten der Feuerwehr sofort in allen Straßen die Alarmsignale zu geben haben. Der Glöckner hat auf Befehl des Großherzoglichen Bürgermeisters das ortsübliche Sturmgeläute zu besorgen. Bei einem Brande in einer Nachbargemeinde darf kein Sturmzeichen gegeben werden, sondern die entsendete Mannschaft wird
mündlich aufgeboten.“
Schon 1869 waren drei Handdruckspritzen vorhanden, und man hatte eine Art Freiwillige Feuerwehr. Die Männer teilte man in Pompiers, Schlauchhalter, Wasserträger und Schlauchführer ein, und wies sie den einzelnen Spritzen zu. Je nach ihrer Einteilung trugen die Mitglieder blau – weiße, rot – weiße, blaue, hellblaue und rote Armbinden. Heinrich Sehring V wurde zum ersten Oberkommandeur ernannt. Der Oberkommandeur trug eine rot – weiße Schärpe von der rechten zur linken Schulter, sein Stellvertreter eine solche Schärpe um die Hüften.

Wie kam es zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr

Im Jahre 1870 machte Konrad Vetter dem Bürgermeister der Stadt Langen, Herr Dröll, den Vorschlag, eine „Freiwillige Feuerwehr“ zu gründen. Wegen des Krieges mit Frankreich empfahl man ihm, die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr beruhen zu lassen. Am 3. Januar erschien im Langener Wochenblatt folgendes:
„Sollte in Langen denn wirklich keine freiwillige Feuerwehr zustande zu bringen sein? Sollten sich wirklich nicht so viele junge Leute finden, die entschlossen wären, einen zu nützlichen Verein zu gründen?. Auf
Unterstützung von Seiten der hier so zahlreich Vertretenen Feuerversicherungen wäre mit Bestimmtheit zu rechnen, und es würde wohl auch, wenn nötig, an freiwilligen Beiträgen nicht fehlen!“

Es dauerte immerhin noch fünf Jahre, bis mit Hilfe des Großherzogtums und des Bürgermeisters Dröll am 23. Mai 1879 in der Gastwirtschaft „Zum Adler“ die „FREIWILLIGE FEUERWEHR LANGEN“ gegründet wurde.
Nachdem die „ Freiwillige Feuerwehr „ gegründet war, entwarf eine aus Mann bestehende Kommission die Statuen der Feuerwehr.

  • §.1.
    „Auf Anregung des Großherzoglichen Bürgermeisterei und mit Genehmigung des Kreisamtes Offenbach hat sich hier selbst eine freiwillige Feuerwehr gebildet, welche zum Zweck hat, geordnete Hilfe bei Feuersgefahr zu bringen.
     
  • §.2
    Zu diesem Behufe bildet der Verein eine geschlossene Gesellschaft mit geordneten Organisationen unter selbst gewählten Führern.
     
  • §.3.
    Zur Aufnahme befähigen:
    • Unbescholtener Ruf
    • Körperliche Gesundheit
    • Zurückgelegtes 23. Lebensjahr
    • Ständiger Wohnsitz und hauptsächliche Beschäftigung in Langen selbst.“

Danach wurde eine „Bitte“ mit folgender Werbeschrift den Bürgern von Langen vorgelegt: „Die Unterzeichneten nehmen hiermit die heute den 23. Mai 1879 beratenen Statuen als bindend an und erklären ihren Beitritt zur freiwilligen Feuerwehr.“
Diese „Bitte“ wurde von 49 Bürgern unterzeichnet. Am 28. Mai 1879 wurde der Vorstand der „Freiwilligen Feuerwehr“ gewählt, aus der Kommerzienrat Carl Scherer als erster Kommandant hervor ging.

Vorstand:

  • Carl Scherer 1. Kommandant
  • Konrad Vetter 2. Kommandant
  • C.W. Anthes 3. Kommandant
  • G. Hammann 1. Spritzenkommandant
  • C. Göhrig 2. Spritzenkommandant
  • A. Göhrig 3. Spritzenkommandant
  • M. Wolf Obmann der Retter
  • H. Dröll Obmann der Wassermannschaft
  • G. Vollhard 1. Wassermeister

Nach der Wahl des Vorstandes zerfiel die Feuerwehr in:

  1. Allgemeinschaftsdienst
    Die aktiven Mitglieder sollen sich bei Brandmeldung bereithalten. Die Geräte im besten Zustand zu halten. Feuerwehrkleidung darf nur im Dienst getragen werden.
  2. Übungsdienst
    Jedes Mitglied wurde sorgfältig ausgebildet, dass jeder alle bevorstehenden Arbeiten ausführen konnte.
  3. Dienst bei Bränden
    Bei Ausbruch eines Brandes begaben sich die Feuerwehrmänner sofort an die Brandstelle. Alle hatten den Anweisungen des Hauptmannes zu folgen. Nach gelöschtem Brande mussten alle Löschgeräte im sauberen Zustand an ihrem Aufbewahrungsort gebracht werden, um beim nächsten Brand wieder einsatzfähig zu sein.

Ausführungsbestimmungen
Die Verantwortlichen der Feuerwehr teilten sich ihre Mitglieder in drei Mannschaften ein, -
in die Wassermannschaft, Rettungsmannschaft und die Steigmannschaft. Alle drei
Mannschaften versammelten sich bei einer Brandmeldung am Spritzenhaus und eilten
dann gemeinsam zum Brandherd.
Die Rettungsmannschaft sorgte für die Rettung von Mensch, Vieh und Sachwerten usw.,
und nach verrichteter Arbeit wurde sie der Wassermannschaft zugewiesen. Die
Wassermannschaft versuchte mit den Eimern aus dem nächstliegenden Brunnen Wasser
zu entnehmen, und das Ausbreiten des Feuers zu verhindern und unter Kontrolle zu
bringen. Die Steigermannschaft trat nur in Aktion, wenn eine Leiter benötigt wurde. War
das nicht der Fall, wurde die Steigermannschaft vom Kommandeur oder Spritzenmeister
der Wasser- oder Rettungsmannschaft zugeteilt.
An Löschgerät war vorhanden:

  • 2 große Spritzen
  • 1 kleine Spritze
  • 400 Eimer
  • Feuerleitern
  • Feuerhaken
  • 180 Schläuche für große Spritzen
  • 200 Schläuche für kleine Spritzen

Am 12. Juli 1879 übergab die Großherzogliche Bürgermeisterei Langen der „Freiwilligen Feuerwehr“ folgende Gerätschaft:

  • 600 Hanfschläuche
  • 20 Schlauchverbindungen
  • 3 Schlauchklemmen
  • 2 Adler Wasserverteiler
  • 1 Stockleiter
  • 1 Dachleiterhaken
  • 3 Petroleum Fackellampen
  • 1 Fensterrolle

sowie

  • 50 Lederhelme
  • 50 Gurte
  • 50 Jacken

Am 21. August 1879 wurde der „Freiwilligen Feuerwehr“ das Löschwesen bei Bränden
übertragen. Ab dem Gründungstag bis zum Ende des Jahres 1879 waren elf Großbrände
zu bekämpfen, die die neugegründete Feuerwehr gleich zur Probe stellte.
1880 – 1900
Kommerzienrat Scherer (1. Kommandant) legte am 12. Juli 1883 aus gesundheitlichen
Gründen sein Amt nieder, und Otto Steingötter sollte das Amt des 1. Kommandanten
vertreten, das aber Scherer nach drei Monaten wieder übernahm. In der
Hauptversammlung am 18. März trat Scherer entgültig ab, und Konrad Wilhelm Anthes
wurde zum neuen Kommandanten gewählt.
Das Spritzenhaus
Wegen des Platzmangels im alten Rathaus baute die Stadt Langen ein Spritzenhaus hinter
der Frankfurter Schule. Es bestand aus drei Holzgaragen, die mit je einem Rollladentor
verschlossen waren, und einem 12 m hohen Schlauchturm. Am 22. September 1887
übergab der Bürgermeister das Spritzenhaus der Feuerwehr, sowie eine fahrbare und
freistehende Leiter mit 12 m Höhe. Sie wurde nötig, da die Langener Bevölkerung ihre
Häuser immer höher baute, und mit den normalen Leitern der Dachstuhl nicht mehr
erreicht werden konnte. Die, noch von der Gründung stammenden Leitern waren für die
Feuerwehr auch nicht mehr zu gebrauchen, da der Zahn der Zeit und der Holzwurm sie
unbrauchbar machte. Nach der Übergabe wurde den Bürgern von der Wehr eine große
Übung vorgeführt.
Hauptversammlung
In einer Hauptversammlung beantragte das Kommando, dass diejenigen Mitglieder,
welche bei Übungen unentschuldigt fehlten, nach § 9 der Landesfeuerlöschordnung, mit
einer Mark bestraft werden, im Wiederholungsfall mit drei Mark. Als Entschuldigungen
gelten nur Krankheit oder Abwesendheit vom Wohnort. Zu spätes Erscheinen wird mit
einer Strafe von 20 Pfennig geahndet.
1900 – 1945
1902 starb Konrad Wilhelm Anthes und Heinrich Thon wurde als 1. Kommandant gewählt.
1905 gab Heinrich Thon aus gesundheitlichen Gründen sein Amt ab, und Heinrich Dröll V,
der Gründer der Lebensmittel-Großhandlung , übernahm das verantwortungsvolle Amt.
Heinrich Dröll übergab 1909 das Amt an Karl Michel Dröll, und 1913 ging Franz Dieter als
1. Kommandant bei der Jahreshauptversammlung hervor.

Nach dem Krieg 1914 - 1918 erschienen keine Mitglieder mehr zu den Übungen. Der
Grund war das militärische Exerzieren bei der Feuerwehr. Der Vorstand entschloss sich,
eine Hauptversammlung einzuberufen, die Ansicht der verbleibenden Mitglieder zu hören
und abzustimmen, ob die „Freiwillige Feuerwehr Langen“ weiterhin bestehen soll. Man
stimmte ab und beschloss die Wehr weiterhin bestehen zu lassen. Franz Dieter trat aus
gesundheitlichen Gründen als 1. Kommandant zurück, und Philipp Bambach, der
Schwiegervater des damaligen Bürgermeisters Wilhelm Umbach, wurde einstimmig zum
ersten Kommandanten gewählt.
Durch den Hochdruckbehälter, den die Stadt Langen 1910 auf dem Steinberg errichtete,
und in allen Straßen Wasserhydranten für den Feuerschutz verlegt wurden, waren die
alten Spritzen außer Dienst gesetzt, da der Wasserdruck höher war als in den Spritzen.
Erst 1930 kaufte die Feuerwehr vom Großherzog ein motorisiertes Löschfahrzeug. Dieses
Fahrzeug gestatte einen schnellen Einsatz, denn der Wasserdruck wurde durch die
eingebaute Motorspritze wesentlich erhöht und man hatte mehrere Löschgeräte an der
Brandstelle.

1934 gab Philipp Bambach sein Amt ab, und Georg Werner wurde zum ersten
Kommandanten gewählt. Nach einem Jahr übergab Georg Werner das
verantwortungsvolle Amt seinem Vater Ludwig Werner, und 1939 wurde die Feuerwehr mit
einem weiteren Löschfahrzeug, vom Typ LF 15 ausgerüstet, dessen Pumpe 1500 Liter
Wasser in der Minute abgab und mit Pressluftatmern und Frischluftgeräten, sowie
Hakenleitern ausgestattet war.

Der 2. Weltkrieg
Ludwig Werner hatte durch den Krieg ein schweres Amt, denn viele von seinen
Feuerwehrmännern wurden in den Krieg eingezogen. Durch Uk–Stellung (unabkömmlich)
wurden ältere Langener Bürger zum aktiven Feuerschutz herangezogen. Wegen
feindlicher Luftangriffe, die unsere Stadt, und besonders die großen Städte in der
Umgebung schwer getroffen hatte, war die „Freiwillige Feuerwehr Langen“ fast immer im
Einsatz. 1945 wurde Karl Werner als neuer Kommandant gewählt und Georg Werner zum
Verantwortlichen.

Die Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehr Langen nach dem Kriege
Durch das schnelle Anwachsen der Stadt nach dem Kriege, war der Brandschutz nicht
mehr ausreichend. Die Stadt kaufte ein modernes Tanklöschfahrzeug (TLF 16) mit
eingebauter Motorpumpe (1600 Ltr./Min.) und einem eingebauten Wassertank (2400 Ltr.),
das sich besonders wegen seines großen Wasserreservoirs für Wald und Flächenbrände
eignete. Außerdem war es ausgerüstet mit Schaumbildner, Pressluftatmern,
Frischluftgeräten, und einem Sprungpolster.

Das Feuerwehrhaus

Die Raumnot, die durch die großen Feuerwehrfahrzeuge entstand, erforderte ein größeres
Feuerwehrhaus. Es entstand 1955 am Wilhelm – Leuschner Platz und hatte einen
Schlauchturm, eine Garage, vier Wohnungen und einen kleinen Unterrichtsraum nebst
Kleiderkammer. Die Baukosten betrugen, durch freiwillige Arbeiten der aktiven Mitglieder
52.000 DM. Da nur eine Garage zu Verfügung stand, stellte man ein Löschfahrzeug in der
ehemaligen Handwerkerherberge (Frankfurter Straße) unter. Drei Jahre später errichtete
man für 60.000 DM einen Anbau mit zwei Gagargen, einer zusätzlichen Wohnung und
einem großen Unterrichtsraum. Aber durch die Raumnot des Rathauses in unmittelbarer
Nähe, wurden die beiden Obergeschosse für das Bauamt benötigt.

1958 wurde der Feuerwehr ein Tragkraftspritzenfahrzeug und eine Tragkraftspritze
übergeben, das für die Wasserentnahme an offenen Gewässern bestimmt war.
Eine, mit der Hand ausschiebbare Leiter (Einsatzlänge 10 m) wurde wegen der höheren
Bebauung und des ersten Hochhauses in Langen für die Feuerwehr zwecklos. Die Stadt
Langen entschloss sich, bei der Firma Magirus eine automatische Feuerwehrdrehleiter
vom Typ DL 30 h (hydraulisch) für 90.000 DM zu kaufen. Am 8. Juni 1962 übergab
Bürgermeister Umbach der Feuerwehr dieses Fahrzeug. Diese automatische
Feuerwehrdrehleiter war ein Lösch- und Rettungsfahrzeug, verfügte über eine 30 m hohe,
hydraulische ausfahrbare Drehleiter und eine Vorbaupumpe mit einer Wasserabgabe von
1600 Ltr./Min. Weiterhin war es mit Abseilgerät, Pressluftatmer, Strahlrohre, Rollschläuche,
und Brechwerkzeuge ausgestattet.

Ein weiteres Löschfahrzeug kaufte die Stadt Langen 1965 bei der Firma Magirus für
66.700 DM. Hier handelte es sich um ein Löschgruppenfahrzeug (LF 16) mit einer
Besatzung von 1/8. Die eingebaute Motorpumpe leistete 1600 Ltr./Min.. Das Fahrzeug war
mit einem Wassertank von 800 Liter ausgestattet, und hatte eine feuerwehrtechnische
Ausrüstung nebst Haken – Steck - und Schiebleiter, sowie Schaumbildner an Bord.
Außerdem gehörte eine Schnellangriffseinrichtung mit in Buchten gefalteten Schläuchen
und angeschlossenem Strahlrohr zur Ausrüstung.

Die „Freiwillige Feuerwehr Langen“ verfügte jetzt über zwei Löschgruppenfahrzeuge, ein
Tanklöschfahrzeug, eine Drehleiter, einem Tragkraftspritzenfahrzeug, vier
Funksprechgeräte, über 6000 Meter Schlauchmaterial, Sauerstoffbehandlungsgerät,
Handfeuerlöscher usw..

Feuerschutz westlich der Bahn

Die oft geschlossenen Schranken am Bahnübergang in der Bahnstraße waren immer ein
großes Hindernis für den Einsatz der Wehr. Man beschloss, der Vorstand gemeinsam mit
der Stadt Langen, ein Löschgruppenfahrzeug westlich der Bahnstrecke bei einer Firma
unterzustellen. Die Firma Monza fand sich bereit, das Fahrzeug in eine ihrer Garagen
unterzubringen. Durch einige Feuerwehrmänner, die im westlichen Teil der Bahnstrecke
wohnten und arbeiteten, war ein schnellerer Einsatz möglich, und der Feuerschutz für die
Bewohner und Industrieanlagen im westlichen Teil der Stadt war gesichert. Heute ist das
Problem mit dem Bau der Eisenbahnbrücke Vergangenheit.

Alarmierung

Vor der Gründung der „Freiwilligen Feuerwehr Langen“ gaben Männer, die von der Stadt
benannt wurden, mit Hörnern – Feueralarm. Nach der Gründung waren die Nachtwächter
mit Signalhupen ausgestattet, und 1909 wurden vom Vorstand drei Männer auserwählt, die
mit jeweils einem Horn - bei Brandmeldung dieses auszurufen. Dies führte man noch bis
zu Anfang des zweiten Weltkrieges durch, bis eine Sirene auf das Dach des alten
Rathausturmes installiert wurde. Eine weitere Sirene montierte man in der unteren
Bahnstraße, für die im westlichen Teil der Stadt wohnende Feuerwehrmänner. Fünf
weitere Sirenen sollen folgen. Eine stille Alarmanlage verband die Polizei mit den
Wohnungen einiger Feuerwehrmänner, die bei kleineren Bränden schnell einsatzbereit
waren. Feuermelder waren im ganzen Stadtgebiet montiert, allerdings liefen die
Meldungen auf der Polizeistation im alten Rathaus auf, worauf Alarm ausgelöst wurde.
1963 kaufte die Stadt Langen 30 Feuermelder mit Telefon, indem der Meldende genaue
Angaben mitteilen konnte. Heutzutage gibt es keine Feuermelder mehr, da fast jeder
Bürger über ein Telefon oder Mobiltelefon verfügt. Auch die Feuerwehrangehörigen
werden mit Funkmeldempfängern alarmiert.

Wasserentnahmestellen

Vor und nach der Gründung der „Freiwilligen Feuerwehr Langen“ entnahm man das
Löschwasser aus 32 Brunnen, die im ganzen Stadtgebiet verteilt waren. Der Sterzbach,
die Teiche und alle anderen offenen Gewässer waren große Wasserentnahmestellen,
woraus man das Löschwasser abpumpte. Vor dem ersten Weltkrieg bekam Langen die
ersten Hydranten. Als aber mit zunehmender Bevölkerung die Abwässer in den Sterzbach
geleitet wurden, musste man wegen Verunreinigung die Löschwasserentnahme aus dem
Bach aufgeben. Das Hydrantennetz wurde weiter ausgebaut und steht heute im ganzen
Stadtgebiet zur Verfügung. An offenen Gewässern hat die Feuerwehr heute noch den
Paddelteich, die Egelswoogteiche, der Mühlteich und, im Langener Stadtwald gelegen, die
Kiesgrube zur Verfügung.

Die Jugendfeuerwehr

Durch den Mangel an aktiven Feuerwehrmännern, beschloss der Vorstand der
„Freiwilligen Feuerwehr Langen“ eine Jugendfeuerwehr aufzubauen, die am 16. Juni 1966
gegründet wurde. Jeder Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren konnte der
„Jugendfeuerwehr Langen“ beitreten, und bestand bei der Gründung aus neun Mitgliedern.
Heute können Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren beitreten, und sind mit 29
Mitgliedern eine große Truppe, die in Zukunft die Einsatzabteilung stärken wird. Schon
heute besteht der Großteil der Einsatzabteilungsmitglieder aus ehemaligen
Jugendfeuerwehrmännern.

Im Anhang die Kommandanten, Wehrführer, Ortsbrandmeister und Stadtbrandinspektoren:

  • 1879 - 1883 Carl Scherer
  • 1883 - 1886 Otto Steingötter
  • 1884 - 1902 Conrad Wilhelm Anthes
  • 1902 - 1905 Heinrich Thon
  • 1905 - 1909 Heinrich Dröll V
  • 1909 - 1913 Michael Dröll
  • 1913 - 1919 Franz Diether
  • 1919 - 1934 Phillipp Bambach
  • 1934 - 1945 Ludwig Werner
  • 1945 - 1950 Karl Werner
  • 1950 - 1967 Georg Werner
  • 1967 - 1967 Christian Herth
  • 1967 - 1978 Hans Jäckel
  • 1978 - 2008 Rolf Keim
  • 2008 - heute Frank Stöcker


In der Zeit von 1957 – 1978 war Georg Herth mehrmals stellv. Ortsbrandmeister, bzw. Stadtbrandinspektor, und mehrmals kommandierender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Langen.

Bis heute...

Mit Inkrafttreten des hessischen Brandschutzhilfeleistungsgesetztes am 1. Januar 1971 wurde die „Freiwillige Feuerwehr Langen“ in die heutigen drei Abteilungen,
Einsatzabteilung, Verein und Jugendfeuerwehr aufgeteilt.

Und auch heute steht die Feuerwehr Langen noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung...